Loading color scheme

Wieso?

Gradezu rührend beklagt sich die Bedienung, die ihre Haut als Werbefläche für einen Tattoo-Laden zu Markte trägt, über die soziale Inkompetenz der Stammgäste: “Sind doch alles kultivierte Leute. Und worüber reden die? Meckern über alles und jeden. Kein einziges, aufbauendes Wort. Wenn da mal einer ein persönliches Problem hat, gucken alle betreten weg. Gegenseitig können Sie sich auch nicht leiden. Zerreißen sich über jeden von ihnen in seiner Abwesenheit das Maul.” Der Anwalt bastelt peinlich berührt UEFA-Pokale und WM-Pokale aus dem goldenen Alu-Papier am Hals der Bierflaschen (der Monolog dauert länger). Die Stammkneipe als Ort kultivierter Problembewältigung…binnen kürzester Zeit läge die Gastronomie in Ermangelung von depressiven und großkotzigen Trunkenbolden völlig am Boden. Es geht nicht um Freundschaften, sondern nur um lose Koppelungen. Wer Beziehungen und andere Einengungen der Bewegungsfreiheit sucht, der gründe eine Familie. Ich komme nicht hierhin, um meine guten Seiten auszuleben, sondern meine schlechten. Und eine davon ist es, nicht zuhören zu können - schon gar nicht wenn jemand Probleme hat. N ziemliches Handicap, wenn man Anwalt ist. Oder auch nicht. Der Unternehmensberater mit Hartz-IV-Aroma walzt heran mit der Wucht eines Nilpferds. Er näselt “Hallo”, und gesellt sich dazu. Die Bedienung hat durchaus Recht. Der Anwalt kann den Kerl nicht leiden. Aber er freut sich wie ein Schneekönig über sein Kommen. Jeder Gesprächspartner ist besser, als eine Bedienung, die nicht kapiert, warum man in eine Kneipe geht.